Grüne Geldanlagen: Privatanleger setzen verstärkt auf Nachhaltigkeit

Es geht voran beim Thema Nachhaltige Investments – so zumindest die Erkenntnis, wenn man sich den jährlichen erscheinenden Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG e.V.) ansieht. Voran in der Form als das sich immer mehr Anleger für ein Investment in Nachhaltigkeit entscheiden. Und damit einen wertvollen Beitrag zum ökologischen Wandel beitragen oder zumindest mit ihrem Kapital dieses Ziel verfolgen beziehungsweise finanziell unterstützen wollen.

Schaut man sich die Daten aus dem Marktbericht des FNG an, so fällt vor allem eine Zahl auf: 39,8 Milliarden Euro. Genau das ist die Summe die deutsche Anleger allein im Corona Jahr 2020 in nachhaltige Fonds und / oder entsprechende Mandate investierten. Welche Bedeutung diese Summe in der Gesamt-Betrachtung hat, wird deutlich, wenn man diese Summe mit dem Investment-Volumen aus dem Jahr 2019 vergleicht. Denn da lag die Summe, welche nachhaltig angelegt wurde, bei 18,4 Milliarden Euro.

Nachfrage bei nachhaltigen Investments steigt 2020 erheblich – trotz Corona

Stellt man diese beiden Zahlen nun gegenüber wird deutlich, dass ausgerechnet, im zweifelsohne wirtschaftlich schwierigen Corona-Jahr 2020 das Investitionsvolumen bei nachhaltigen Investments mehr als verdoppelt werden konnte und zwar um 117 % oder 21,4 Milliarden Euro. Eine beachtliche Entwicklung, die so wohl kaum zu erwarten war. Womit das Thema „Nachhaltiges investieren“ wohl auch endgültig den Sprung aus der „belächelten“ grünen Investmentecke heraus geschafft haben dürfte. Denn immerhin bildet diese, vom Forum Nachhaltige Geldanlagen ermittelte Summe von 39,8 Milliarden Euro privater Anlagergelder nun rund 18 Prozent des gesamten Volumens, welches in Nachhaltige Fonds / Mandate investiert sind, ab.

Womit der Blick auf eine weitere Zahl erforderlich wird und zwar jene, die die Frage beantwortet, wie groß der Gesamtmarkt bei den nachhaltigen Kapitalanlage-Angeboten ist. Auch hier liefert der FNG Marktbericht eine entsprechende Zahl – 335,3 Milliarden Euro. Und wie zu erwarten bedeutet auch diese Zahl eine deutliche Steigerung beim Thema „grüne“ Geldanlagen – und zwar um 25 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019.

Wobei ein erheblicher Anteil der Anlegergelder und zwar 107 Milliarden Euro in nachhaltige Investmentfonds floss, was einer Steigerung von rund 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2019 entspricht. Damit stellen nachhaltige Fonds vom Volumen her rund 6,4 Prozent am gesamten Fondsmarkt in Deutschland dar. Ein vermeintlich geringer Anteil, der jedoch im Zusammenhang mit der Entwicklung in den letzten Jahren betrachtet werden muss. So lag im Jahr 2018 der Anteil gerade einmal bei 3 %. Und zahlreiche Experten erwarten für die nächsten Jahr weitere Steigerungen bei den Investitionen in nachhaltige Geldanlagen.

Experten erwarten erhebliche Steigerungen bei nachhaltigen Geldanlagen

Alle für den Marktbericht befragten Finanzexpertinnen und -experten erwarten für 2021 weiteres Wachstum im nachhaltigen Kapitalmarkt. So rechnen

• 29 Prozent der Experten mit einer Steigerung von bis zu 15 Prozent
• 36 Prozent der Experten mit einem Wachstum zwischen 15 und 30 Prozent
• 35 Prozent sogar mit einer Steigerungsrate von mehr als 30 Prozent

Weitere Impulse erwarten Finanzprofis von der ESG-Präferenzabfrage, die ab Oktober 2022 für Anlageberater im Kundengespräch verpflichtend wird.

Blick auf aktuelle Daten des BVI bestätigt positive Prognosen

Eine Prognose, die mit einem Blick auf die kürzlich veröffentlichten Zahlen des BVI durchaus bestätigt wird. Denn laut dem DEUTSCHER FONDSVERBAND BVI beträgt der Anteil nachhaltiger Fonds am Markt mittlerweile 8 Prozent, was somit einer Steigerung um rund 1,6 Prozent allein im 1. Quartal 2021 entspricht. Interessant ist hierbei jedoch, dass der BVI anmerkt, dass das tatsächliche Volumen nochmals deutlich höher ausfallen dürfte.

Denn laut BVI haben viele Fondsgesellschaften aufgrund der Offenlegungsverordnung ihre Zahlen noch nicht gemeldet. Zwar hat sich die Zahl der gemeldeten nachhaltigen Anteilscheinklassen von rund 900 per Ende 2020 auf mehr als 1.800 verdoppelt, jedoch stehen auch noch rund ein Drittel der Meldungen hinsichtlich des Fondsvermögens aus.

FNG verzeichnet verstärkte Nutzung von Ausschlusskriterien

Doch kommen wir zurück zum Marktbericht des FNG und dem Thema „Ausschlusskriterien“, die laut dem FNG nachwievor eine hohen Stellenwert einnehmen. So nutzen stattliche 93 Prozent aller erfassten Fonds und Mandate die Möglichkeit, um besonders kontroverse Emittenten vom Investment auszuschließen. Besonders häufig sind Unternehmen von einem solchen Ausschluss betroffen, die gegen anerkannte Menschenrechte und Arbeitsstandards verstoßen oder in Korruption und Bestechung verwickelt sind.

Einen deutlichen Zuwachs bei den Ausschlüssen verzeichnet der Marktbericht des Forums nachhaltige Geldanlagen aber auch beim Thema Kohle. In der Rangliste aller Ausschlusskriterien belegt Kohle mittlerweile den 3. Platz.
Weitere wichtige Anlagestrategie ist das Engagement, also die Nutzung der Stimmrechte sowie der direkte Dialog mit den Unternehmen. Dieser Ansatz wird auf rund zwei Drittel der verantwortlichen Investments angewendet, noch vor dem sogenannten Best-in-Class-Ansatz.

Prokurist und Leiter Portfoliomanagement, Wirtschaftsinformatiker (EBS), über 25 Jahre Erfahrung als Händler (Eurex-, Xetra- und NASD-Lizenz) und Portfolio- und Fondsmanager u.a. für Absolute-Return-Produkte bei Investmentboutiquen. Seit 2009 bei der FiNet Asset Management AG in Marburg als Fonds- und Portfoliomanager tätig.

Frank Huttel ist spezialisiert u.a. auf Produktentwicklung und der Fondsauswahl und hat fundiertes Know-how im klassischen sowie alternativen Asset-Management. Seit 2019 ist er SRI-Advisor (EBS) und Climate Reality Leader (2018). Außerdem ist er Mitinitiator von vividam, dem nachhaltigen Robo-Advisor.

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