Umfrage: Das Interesse an nachhaltigen Geldanlagen steigt – aber….

Das Thema Nachhaltigkeit beim Thema Investment gewinnt bei deutschen Anlegern zunehmend an Bedeutung und breiter Zustimmung. Dies zeigt sich nicht nur in einer Umfrage des Bundesverbandes Verbraucherzentrale wonach immerhin jeder zweite Bundesbürger grundsätzlich die Bereitschaft zeigt, in nachhaltige Geldanlagen investieren zu wollen.

Auch in einer aktuellen Umfragen und Marktanalyse der Investmentgesellschaft Union Investment zeigt sich, dass das Thema „Nachhaltige Geldanlagen“ immer stärker in den Fokus einer privaten Anlegerschaft rückt.

Nachhaltige Geldanlagen – ein steigendes Interesse ist da!

So zeigt sich im Ergebnis jener Umfrage, dass sich die Zahl derjenigen privaten Investoren, die ihr Kapital bereits nachhaltig anlegen, eine deutliche Steigerung zwischen den Jahren 2019 und 2020. So lag der Anteil jener Anleger, die sich im 1. Quartal 2019 für ein grünes Investment entschieden haben, bei rund 14 %, wo hingegen im 1. Quartal 2020 der Anteil der Anleger bereits bei 23 % lag.

Untermauert wird dieser Trend hin zu nachhaltigen Geldanlagen auch beim generellen Interesse hieran. So können sich immerhin rund 62 % der Befragten ein entsprechendes Investment durchaus vorstellen, auch wenn dies aktuell noch nicht geschehen ist. Interessant ist hierbei ein genauerer Blick auf die Altersgruppen, die ein derartiges Interesse bekunden::

– In der Gruppe der 30 -39 und 50-59 Jährigen liegt der Anteil bei 62 %
– In der Gruppe der 20 -29 jährigen jedoch „nur“ bei 52 %

Gerade in der 2. Gruppe hätte man aufgrund der zahlreichen Klimaschutz und Umweltbewegungen wie beispielsweise der „Fridays for Future“-Bewegung einer Greta Thunberg einen höheren Anteil erwarten können, was sich letztendlich jedoch aktuell nicht bestätigt.

Stellt sich also die durchaus berechtigte Frage: Woran das liegt oder liegen könnte?

Es besteht Aufklärungsbedarf bei Nachhaltigen Investments

Auch hier liefert die aktuelle Umfrage der Union Investment eine recht deutliche Antwort: Für viele potenzielle Anleger ist das Thema „Nachhaltige Geldanlage“ nicht selten ein Buch mit 7 Siegeln oder aber zumindest mal in gewissen Punkten intransparent. Vom Verständnis der Funktionsweise vereinzelter Anlagemodelle mal ganz zu schweigen.

Denn darauf angesprochen, entgegneten immerhin 60 % der Befragten an, dass sie gern nachhaltig investieren würden, wenn sie denn im Detail wüssten wie. Untermauert durch Aussagen dahingehend, dass rund 20 % der Umfrage-Teilnehmer nachhaltige Geldanlage-Angebote für zu kompliziert halten.

Hier zeigt sich, dass für die Anbieter nachhaltiger Investment-Angebote noch Einiges an Kundenpotenzial „brach“ liegt. Es erscheint notwendig, potenzielle Anleger dort abzuholen, wo sie wirklich stehen – und zwar am Anfang. Es mag sich aus Sicht der Investment-Branche vielleicht hilfreich darstellen, das eigene „grüne“ Kapitalanlage-Angebot mit Merkmalen wie „ESG“ und „SRI“ zu untermauern, doch eben erst dann, wenn ein Anleger mit diesen Begriffen auch etwas anfangen kann.

Und genau daran scheint es momentan noch zu hapern, denn dieses Wissen um die Möglichkeiten einer nachhaltigen Geldanlage sowie deren Merkmale scheint, schenkt man den Ergebnissen der Umfrage entsprechenden Glauben, nicht oder zumindest nicht ausreichend existent zu sein.

Wobei sich dies mit der seit März 2021 geltenden Offenlegungsverordnung durchaus erheblich verändern könnte. Denn in naher Zukunft wird es für Bank- und Finanzberater zur Pflicht werden, Anleger im Beratungsgespräch nach ihrer Nachhaltigkeitspräferenz zu befragen. Was bedeutet, dass im Rahmen der Anlageberatung das Thema Nachhaltigkeit einen deutlich höheren Stellenwert einnehmen wird als es bisher der Fall war.

Und dass Nachhaltigkeit bereits heute einen deutlich höheren Stellenwert bei den deutschen Verbrauchern einnimmt als noch vor wenigen Jahren zeigt sich in folgender Aussage:

Rund 82 % der Befragten der Union Investment Umfrage würde auf 1.000 Euro bedingungsloses Grundeinkommen monatlich verzichten, wenn der Staat das Geld stattdessen verstärkt Investitionen in Bildung, Klimaschutz oder Ähnliches vornähme.

Das Fazit

In Summe offenbart die Umfrage in ihrem Ergebnis Folgendes: Es liegt nicht daran, potenzielle Anleger erst vom Sinn und Zweck nachhaltiger Geldanlage-Angebote zu überzeugen. Ganz im Gegenteil: Es geht vor allem darum dem Anleger klarzumachen, wie und mit welchem Effekt sein Geld als grüne Kapitalanlage einem nachhaltigen Zweck dient – und zudem auch noch ein gute Rendite erwirtschaftet. Insofern sind diejenigen Vermögensverwalter und Investmentberater am Besten aufgestellt, die dies verinnerlichen.

Prokurist und Leiter Portfoliomanagement, Wirtschaftsinformatiker (EBS), über 25 Jahre Erfahrung als Händler (Eurex-, Xetra- und NASD-Lizenz) und Portfolio- und Fondsmanager u.a. für Absolute-Return-Produkte bei Investmentboutiquen. Seit 2009 bei der FiNet Asset Management AG in Marburg als Fonds- und Portfoliomanager tätig.

Frank Huttel ist spezialisiert u.a. auf Produktentwicklung und der Fondsauswahl und hat fundiertes Know-how im klassischen sowie alternativen Asset-Management. Seit 2019 ist er SRI-Advisor (EBS) und Climate Reality Leader (2018). Außerdem ist er Mitinitiator von vividam, dem nachhaltigen Robo-Advisor.

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