Wenn selbst Regulierungschaos die Transformation nicht stoppt
Die Nachhaltigkeitsregulierung der Europäischen Union gleicht derzeit einem politischen Achterbahnfahrt. Die Omnibus-Verordnung weicht Berichtspflichten auf, Fristen werden verschoben, Schwellenwerte angehoben. Für viele Unternehmen bedeutet das: Unsicherheit, wohin man blickt. Werden sie überhaupt noch berichtspflichtig sein? Welche Standards gelten morgen? Lohnt sich die Investition in Nachhaltigkeitssysteme, wenn die Regeln möglicherweise wieder geändert werden?
Die logische Konsequenz wäre eigentlich, dass Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsinitiativen auf Eis legen, abwarten, was politisch herauskommt, und ihre Ressourcen erst einmal anderweitig einsetzen. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Zwei aktuelle Untersuchungen – eine von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC und eine von der europäischen Kapitalmarktaufsicht ESMA – zeigen ein bemerkenswertes Bild: Die große Mehrheit der Unternehmen macht unbeirrt weiter. Sie investieren trotz der regulatorischen Wirren in Nachhaltigkeitsberichterstattung, bauen ihre ESG-Systeme aus und setzen die Transformation fort.
Für Anleger ist diese Entwicklung ein überaus wichtiges Signal. Sie zeigt: Nachhaltigkeit ist längst kein regulatorisches Lippenbekenntnis mehr, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor, der unabhängig von politischen Windzügen seine Relevanz behält.
Die PWC-Studie: Deutsche Unternehmen bleiben auf Kurs
Die Zahlen der im Juni und Juli 2025 durchgeführten PwC-Studie „Global Sustainability Reporting Survey“ sind eindrucksvoll. Für die Untersuchung befragte PwC 496 Führungskräfte und Fachleute aus 40 Ländern, darunter 109 aus Deutschland. Die zentrale Frage lautete: Wie reagieren Unternehmen auf die Omnibus-Reform und die damit verbundenen Unsicherheiten?
Die Mehrheit macht weiter wie geplant
Das Ergebnis überrascht: Trotz der EU-Direktive „Stop the Clock“, die eine Verschiebung der Berichtspflichten um zwei Jahre ermöglicht, halten 59 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland am ursprünglichen Zeitplan für die CSRD-Berichterstattung fest. Ein knappes Viertel (24 Prozent) berichtet sogar genau wie ursprünglich gefordert, ohne jegliche Verzögerung. Nur gut ein Drittel plant tatsächlich, die Berichterstattung um zwei Jahre zu verschieben.
Diese Zahlen sind bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die regulatorische Unsicherheit groß ist und viele Unternehmen theoretisch die Möglichkeit hätten, Zeit zu gewinnen. Warum also machen sie weiter? Der Hauptgrund liegt im Druck von Stakeholdern. Investoren, Banken, Kunden und Geschäftspartner fordern zunehmend Transparenz über Nachhaltigkeitsthemen – unabhängig davon, was in Brüssel beschlossen wird.
Nachhaltigkeit als integraler Strategiebestandteil
Noch beeindruckender ist eine andere Zahl aus der Studie: Bei 98 Prozent der Unternehmen in Deutschland ist Nachhaltigkeit fest in der Geschäftsstrategie verankert. Das ist keine Randerscheinung mehr, sondern nahezu universelle Praxis. 72 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über eine steuerungsrelevante Nachhaltigkeitsstrategie, die eng mit der Gesamtstrategie verknüpft ist.
Diese Integration ist mehr als nur Rhetorik. Sie zeigt sich konkret im Ressourceneinsatz: 68 Prozent der deutschen Unternehmen haben ihren Aufwand für Nachhaltigkeitsberichterstattung erhöht – und das trotz der Unsicherheit über die künftigen regulatorischen Anforderungen. Auch die Zeit, die Führungskräfte für Nachhaltigkeitsthemen aufwenden, ist deutlich gestiegen.
Technologie als Enabler
Die Unternehmen setzen dabei zunehmend auf professionelle technologische Lösungen. 77 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen zentrale Datenbanken für ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung – mehr als der internationale Durchschnitt von 75 Prozent. Bei Tools zur Berechnung von Kohlenstoffemissionen liegt Deutschland mit 75 Prozent sogar deutlich über dem globalen Schnitt von 63 Prozent. Auch bei Disclosure-Management-Software führen deutsche Unternehmen mit 66 Prozent gegenüber 53 Prozent weltweit.
Diese Investitionen in Technologie sind langfristig angelegt. Sie zeigen, dass Unternehmen nicht von einer vorübergehenden Modeerscheinung ausgehen, sondern Nachhaltigkeitsmanagement als dauerhafte Kernkompetenz aufbauen wollen.
Mehr als Compliance: Der echte Mehrwert wird erkannt
Ein weiteres zentrales Ergebnis der PwC-Studie ist besonders aufschlussreich für Anleger: Über die Hälfte der deutschen Unternehmen, die bereits nach CSRD berichten, zieht erheblichen oder moderaten Mehrwert aus den Berichtsprozessen – und zwar über die bloße Erfüllung gesetzlicher Vorgaben hinaus.
Konkrete Vorteile für die Unternehmenssteuerung
- Die gewonnenen Nachhaltigkeitsdaten nutzen Unternehmen primär für:
- Verbessertes Risikomanagement: Klimarisiken, Lieferkettenrisiken und Reputationsrisiken werden frühzeitig erkannt und adressiert
- Optimierung der Gesamtgeschäftsstrategie: Nachhaltigkeitsdaten fließen in strategische Entscheidungen ein
- Transformation der Lieferkette: Schwachstellen werden identifiziert und behoben
- Verbesserte Investor Relations: Transparenz schafft Vertrauen bei Kapitalgebern
- Optimierte Umweltleistung: Ressourceneffizienz wird messbar und steuerbar
- Stärkung der Zusammenarbeit mit Stakeholdern: Intern wie extern verbessert sich der Dialog
Nicolette Behncke, Partnerin und Sustainability Reporting Leader Europe bei PwC Deutschland, bringt es auf den Punkt:
„Der Druck wächst, aber auch die Chancen: Wer Nachhaltigkeit transparent macht, schafft Vertrauen bei Investoren, Kunden und Mitarbeitenden. Gleichzeitig kann die konsequente Nutzung von Nachhaltigkeitsdaten für die Unternehmenssteuerung wertvolle Einblicke liefern und Innovationen gezielt vorantreiben. So wird Reporting zum echten Wettbewerbsvorteil.“
Diese Aussage ist für Anleger von großer Bedeutung. Sie zeigt: Unternehmen, die heute in Nachhaltigkeit investieren, tun dies nicht primär wegen regulatorischer Vorgaben, sondern weil sie darin einen strategischen Vorteil sehen. Das macht solche Investments besonders wertvoll und nachhaltig – im doppelten Sinne des Wortes.
ESMA-Beobachtungen: Freiwilligkeit als stärkstes Signal
Die Erkenntnisse der europäischen Kapitalmarktaufsicht ESMA unterstreichen diese Entwicklung noch einmal eindrücklich. Die ESMA hat analysiert, welche Unternehmen bereits 2025 ihre ersten Nachhaltigkeitsberichte nach CSRD veröffentlicht haben – und machte eine erstaunliche Entdeckung.
Vorreiter ohne Zwang
Mehr als 250 Unternehmen haben im Jahr 2025 ihre ersten CSRD-konformen Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht. Das Bemerkenswerte: Fast 90 Prozent dieser Berichte stammen von Unternehmen aus nur fünf europäischen Ländern – Deutschland, Spanien und die Niederlande an vorderster Front. Und genau diese drei Länder haben die CSRD zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal in nationales Recht umgesetzt.
Diese Unternehmen waren also rechtlich noch gar nicht verpflichtet, nach CSRD zu berichten. Sie haben sich freiwillig dazu entschieden. Das ist das stärkste Signal, das ein Unternehmen senden kann: Wir machen das nicht, weil wir müssen, sondern weil wir davon überzeugt sind.
Vielfalt als Zeichen der Lernphase
Die gemeinsame Analyse von Deloitte und dem Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC), die 128 dieser frühen CSRD-Berichte untersuchte, zeigt eine große Bandbreite in der Umsetzung. Die Berichte variieren stark in ihrer Länge – von 30 Seiten bis zu über 300 Seiten. Auch die Zahl der berichteten wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen (IROs – Impacts, Risks and Opportunities) schwankt erheblich: Manche Unternehmen berichten über weniger als 15 IROs, andere über mehr als 80.
Diese Vielfalt ist kein Zeichen mangelnder Qualität, sondern Ausdruck einer gesunden Lernphase. Unternehmen experimentieren, finden ihren Weg, entwickeln Best Practices. Die ESMA hat darauf reagiert und im Juni 2025 Leitlinien zur Aufsicht über die Nachhaltigkeitsberichterstattung veröffentlicht, die bewusst flexibel und verhältnismäßig gestaltet sind. Die Botschaft der Aufsichtsbehörde ist klar: Wir wollen unterstützen, nicht bestrafen. Wir wollen Dialog, nicht Sanktionen.
Diese unterstützende Haltung ist wichtig. Sie ermutigt Unternehmen, den Weg weiterzugehen, auch wenn nicht alles von Anfang an perfekt ist.
Was dieses Unternehmensverhalten für Anleger bedeutet
Die Tatsache, dass Unternehmen trotz regulatorischer Unsicherheit massiv in Nachhaltigkeit investieren, sendet mehrere wichtige Signale an Anleger.
Signal 1: Nachhaltigkeit ist gekommen, um zu bleiben
Wenn Unternehmen selbst dann weiter investieren, wenn die regulatorischen Anforderungen möglicherweise zurückgenommen werden, zeigt das: Nachhaltigkeit ist kein regulatorisches Strohfeuer, sondern eine fundamentale Transformation der Wirtschaft. Die Treiber sind vielfältig – Klimawandel, Ressourcenknappheit, gesellschaftlicher Druck, Investorenerwartungen – und sie werden nicht verschwinden, nur weil Brüssel den Fuß vom Gas nimmt.
Für Anleger bedeutet das: Unternehmen mit starkem ESG-Profil sind keine Wette auf zukünftige Regulierung, sondern Investments in die neue Wirtschaftsrealität.
Signal 2: Die Vorreiter verschaffen sich Wettbewerbsvorteile
Unternehmen, die heute in Nachhaltigkeitssysteme investieren, bauen Kompetenzen und Infrastrukturen auf, die ihre Wettbewerber erst später entwickeln werden. Sie lernen, wie man Nachhaltigkeitsdaten erhebt, analysiert und für strategische Entscheidungen nutzt. Sie bauen Beziehungen zu Stakeholdern auf, die Transparenz schätzen. Sie positionieren sich als attraktive Partner für Kunden, die Wert auf Nachhaltigkeit legen.
Diese First-Mover-Vorteile werden sich mittel- bis langfristig auszahlen. Anleger, die auf diese Vorreiter setzen, positionieren sich klug.
Signal 3: Managementqualität wird sichtbar
Die Entscheidung, trotz Unsicherheit in Nachhaltigkeit zu investieren, sagt viel über die Qualität des Managements aus. Sie zeigt strategisches Denken, Weitsicht und die Fähigkeit, über kurzfristige regulatorische Schwankungen hinaus zu planen. Unternehmen, die jetzt auf Omnibus-Erleichterungen verzichten und freiwillig berichten, demonstrieren Führungsstärke.
Für Anleger ist Managementqualität ein entscheidendes Investmentkriterium. Die Haltung zur Nachhaltigkeit ist ein exzellenter Indikator dafür.
Signal 4: Die Investorennachfrage ist real
Der wichtigste Grund, warum Unternehmen trotz Omnibus an ihren Nachhaltigkeitsplänen festhalten, ist der Druck von Stakeholdern – und hier stehen Investoren an vorderster Front. Die Kapitalmärkte fordern Transparenz, ESG-Ratings gewinnen an Bedeutung, nachhaltige Anlageprodukte wachsen.
Diese Nachfrage ist selbstverstärkend: Je mehr Investoren ESG-Kriterien in ihre Entscheidungen einbeziehen, desto wichtiger wird es für Unternehmen, gute Nachhaltigkeitsdaten zu liefern. Und je mehr Unternehmen diese Daten liefern, desto besser können Investoren zwischen nachhaltigen und weniger nachhaltigen Investments unterscheiden.
Für Anleger bedeutet das: Der Markt für nachhaltige Investments wird professioneller, transparenter und effizienter. Die Bedingungen für fundierte ESG-Investmententscheidungen verbessern sich kontinuierlich.
Die Transformation läuft – mit oder ohne Omnibus
Eine zentrale Erkenntnis aus den Studien lautet: „Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt sich vom Compliance-Thema zum strategischen Erfolgsfaktor.“ Diese Entwicklung ist unumkehrbar, weil sie von fundamentalen Marktdynamiken getrieben wird, nicht von politischen Beschlüssen.
Die Treiber bleiben bestehen
Die Omnibus-Verordnung mag Berichtspflichten erleichtern, aber sie ändert nichts an den grundlegenden Herausforderungen, vor denen Unternehmen stehen:
- Der Klimawandel schreitet voran und verursacht zunehmende Schäden
- Ressourcen werden knapper und teurer
- Die Gesellschaft fordert verantwortungsvolles Wirtschaften
- Mitarbeiter wollen für Unternehmen arbeiten, die Werte vertreten
- Kunden bevorzugen nachhaltige Produkte und Dienstleistungen
- Banken berücksichtigen ESG-Kriterien bei der Kreditvergabe
Diese Realitäten existieren unabhängig davon, ob die EU 1.000 oder 100 Datenpunkte in ihrer Taxonomie vorschreibt. Und kluge Unternehmen wissen das.
Resilienz durch Transparenz
Die Unternehmen, die heute in Nachhaltigkeitsberichterstattung investieren, bauen nicht nur Compliance-Systeme auf. Sie schaffen Transparenz über ihre eigenen Risiken und Chancen. Sie lernen, wo sie verwundbar sind und wo sie Potenziale haben. Sie machen sich fit für eine Zukunft, in der Nachhaltigkeitsperformance über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann.
Diese Resilienz ist wertvoll – für die Unternehmen selbst und für ihre Investoren.
Praktische Implikationen für Anlageentscheidungen
Was bedeuten diese Erkenntnisse konkret für Ihre Anlageentscheidungen?
Achten Sie auf die Vorreiter
Unternehmen, die freiwillig nach CSRD berichten, obwohl sie rechtlich noch nicht dazu verpflichtet sind, sollten besondere Aufmerksamkeit erhalten. Sie demonstrieren Führungsstärke, strategisches Denken und ein echtes Commitment zur Nachhaltigkeit. Diese Eigenschaften sind positive Signale für die langfristige Wertentwicklung.
Bewerten Sie die Qualität der Nachhaltigkeitsintegration
Nicht jedes Unternehmen, das über Nachhaltigkeit berichtet, tut dies gleich gut. Achten Sie darauf, ob Nachhaltigkeit tatsächlich in die Geschäftsstrategie integriert ist oder nur ein separates Kommunikationsthema bleibt. Die PwC-Studie zeigt: Unternehmen, die Nachhaltigkeitsdaten aktiv für die Unternehmenssteuerung nutzen, ziehen echten Mehrwert daraus.
Fragen Sie sich bei Investments:
- Ist Nachhaltigkeit Teil der Gesamtstrategie oder ein Nebenschauplatz?
- Nutzt das Management Nachhaltigkeitsdaten für operative Entscheidungen?
- Investiert das Unternehmen in professionelle ESG-Systeme und -Technologie?
- Wird transparent über Fortschritte und Herausforderungen berichtet?
Sehen Sie über kurzfristige Regulierungsschwankungen hinaus
Die Omnibus-Verordnung mag kurzfristig für Unsicherheit sorgen und möglicherweise einige Anforderungen reduzieren. Für langfristig orientierte Anleger ist das jedoch zweitrangig. Die fundamentalen Trends – Klimawandel, Ressourcenknappheit, gesellschaftlicher Wandel – verlaufen über Jahrzehnte, nicht über Quartale.
Investieren Sie in Unternehmen, die diese langfristige Perspektive teilen und heute die Weichen für morgen stellen.
Nutzen Sie die wachsende Datenverfügbarkeit
Je mehr Unternehmen nach standardisierten Rahmenwerken wie der CSRD berichten, desto besser werden die Vergleichsmöglichkeiten. Die Professionalisierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung schafft eine solidere Basis für Investmententscheidungen.
Nutzen Sie diese verbesserte Informationslage. Vergleichen Sie nicht nur Finanzkennzahlen, sondern auch ESG-Performance. Achten Sie auf Trends bei Emissionen, Ressourceneffizienz, Mitarbeiterzufriedenheit und Governance-Qualität.
Die Macht der Kapitalmärkte
Eine wichtige Erkenntnis sollten Anleger nicht übersehen: Sie selbst sind ein wesentlicher Grund dafür, dass Unternehmen trotz Omnibus an ihren Nachhaltigkeitszielen festhalten. Der Stakeholder-Druck, der Unternehmen motiviert weiterzumachen, kommt maßgeblich von Investoren.
Investoren als Treiber des Wandels
Das bedeutet: Durch Ihre Anlageentscheidungen haben Sie Einfluss. Wenn Sie in nachhaltige Unternehmen investieren, belohnen Sie verantwortungsvolles Handeln. Wenn Sie ESG-Kriterien in Ihre Portfolios integrieren, senden Sie ein klares Signal an Unternehmenslenker. Wenn Sie als Aktionär Fragen zur Nachhaltigkeitsstrategie stellen, fordern Sie Transparenz und Verantwortlichkeit ein.
Die Kapitalmärkte sind ein mächtiger Hebel für Veränderung. Die Tatsache, dass Unternehmen selbst in Zeiten regulatorischer Unsicherheit in Nachhaltigkeit investieren, zeigt: Dieser Hebel wirkt.
Die selbstverstärkende Dynamik
Je mehr Kapital in nachhaltige Investments fließt, desto wichtiger wird Nachhaltigkeitsperformance für Unternehmen. Je wichtiger Nachhaltigkeitsperformance wird, desto mehr Unternehmen verbessern ihre ESG-Profile. Je mehr Unternehmen ihre ESG-Profile verbessern, desto attraktiver werden nachhaltige Investments. Diese positive Rückkopplungsschleife ist in Gang – und sie lässt sich nicht durch politische Beschlüsse in Brüssel aufhalten.
Fazit: Unternehmen zeigen den Weg
Die Botschaft aus den PwC- und ESMA-Studien ist eindeutig: Europas Unternehmen lassen sich von regulatorischen Unsicherheiten nicht beirren. Sie investieren weiter in Nachhaltigkeit, weil sie erkannt haben, dass dies ein strategischer Erfolgsfaktor ist – unabhängig davon, was die Politik beschließt.
Für Anleger ist dies das stärkste Signal, das sie bekommen können. Es zeigt: Nachhaltigkeit ist keine politische Mode, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Transformation zu einer nachhaltigeren Wirtschaft findet statt – mit oder ohne detaillierte EU-Vorschriften.
98 Prozent der deutschen Unternehmen haben Nachhaltigkeit in ihrer Strategie verankert. 59 Prozent halten an ihren ursprünglichen CSRD-Zeitplänen fest, trotz Aufschub Möglichkeiten. Über 250 Unternehmen berichten freiwillig nach CSRD-Standards, obwohl sie rechtlich noch nicht dazu verpflichtet sind. 68 Prozent erhöhen ihren Ressourcenaufwand für Nachhaltigkeitsthemen.
Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache: Unternehmen setzen auf Nachhaltigkeit. Sie tun dies aus Überzeugung, aus strategischem Kalkül, wegen des Drucks von Stakeholdern – und nicht zuletzt, weil ihre Investoren es erwarten.
Als Anleger sollten Sie diesem Beispiel folgen. Nicht weil es politisch korrekt ist, sondern weil es wirtschaftlich sinnvoll ist. Die Unternehmen zeigen den Weg – und dieser Weg führt eindeutig in Richtung Nachhaltigkeit. Wer als Investor diesem Weg folgt, positioniert sich nicht nur ethisch verantwortungsvoll, sondern auch strategisch klug für eine Zukunft, die längst begonnen hat.
Die regulatorische Achterbahnfahrt mag weitergehen. Die Omnibus-Verordnung ist möglicherweise nur der Anfang weiterer politischer Kurswechsel. Doch während die Politik schwankt, bleiben Unternehmen ihrem Kurs treu. Das ist das entscheidende Signal. Und dieses Signal sollten Anleger nicht ignorieren.
Investieren Sie nachhaltig – nicht wegen Brüssel, sondern wegen der Überzeugung der Unternehmen, in die Sie investieren.
Prokurist und Leiter Portfoliomanagement, Wirtschaftsinformatiker (EBS), über 25 Jahre Erfahrung als Händler (Eurex-, Xetra- und NASD-Lizenz) und Portfolio- und Fondsmanager u.a. für Absolute-Return-Produkte bei Investmentboutiquen. Seit 2009 bei der FiNet Asset Management GmbH in Marburg als Fonds- und Portfoliomanager tätig.
Frank Huttel ist spezialisiert u.a. auf Produktentwicklung und der Fondsauswahl und hat fundiertes Know-how im klassischen sowie alternativen Asset-Management. Seit 2019 ist er SRI-Advisor (EBS) und Climate Reality Leader (2018). Außerdem ist er Mitinitiator von vividam, dem nachhaltigen Robo-Advisor.


