Nachhaltigkeitsfonds: 3 falsche Annahmen und wie sie einzuordnen sind

Nachhaltigkeitsfonds – sinnvoll, aber nicht performant? Nur eine von zahlreichen Annahmen, die bis dato in den Köpfen zahlreichen Anleger „herumgeistern“. Dabei sind Privatanleger zunehmend interessiert, ihr Geld nachhaltig zu investieren. Doch stoßen sie mit dem Plan nachhaltig investieren zu wollen, bei vielen traditionellen Vermögensverwaltern und Finanzberatern nicht selten auf Ablehnung – entweder, weil diese keine grünen Anlageprodukte im Angebot haben, weil sie die Nachfrage als zu gering oder zu sehr auf weniger solvente Investoren limitiert betrachten.

Oftmals aber auch, weil sie von der Performance nachhaltiger Investments nicht überzeugt sind. Eine Fehlannahme, wie sich an aktuellen Entwicklungen ablesen lässt. Das stets größer werdende Interesse privater Anlegerinnen und Anleger trägt nämlich – mitunter – dazu bei, dass Nachhaltigkeitsfonds traditionellen Pendants in Sachen Rendite und Wachstum in Nichts nachstehen.

Sozial verantwortliche Geldanlage ist keine Generationenfrage

Eine Untersuchung der Allianz vom August 2019 hat ergeben, dass unter den sogenannten Millennials zwei Drittel aller an Investments Interessierten spezifisches Interesse daran haben, mit ihrer Geldanlage Gutes zu bewirken. Bei der Generation X und den Babyboomern ist es immerhin noch jeweils jede/r Zweite.

Alle 3 in der Umfrage betrachteten Generationen stimmen darin überein, dass für Ihre Investmententscheidungen ausschlaggebend ist, ob ein Unternehmen Diversität innerhalb der Belegschaft fördert und Verbraucherschutzrichtlinien einhält. Auf Platz 2 folgten Themen wie die Grundsätze der Unternehmensführung und Umweltschutz.

Es gibt also für Emittenten und Anlageberater gleichermaßen keinen Grund, Nachfragen nach grünen Investments abzuwinken oder als nicht relevant genug einzustufen. Außer natürlich, sie sitzen den gängigen Fehlannahmen über Nachhaltigkeitsfonds auf, die sich scheinbar hartnäckig halten – vor allem unter vielen Finanzexperten, was zusätzlich verwundert.

Die Fehlannahme: Nachhaltigkeitsfonds performen schlechter

Einer der Mythen über nachhaltiges Investment, der sich am hartnäckigsten hält, ist deren angebliche Tendenz schlechter abzuschneiden, als traditionelle Fonds. Diese Einschätzung fußt auf der Investmenttheorie, wonach man durch jede nicht ökonomisch begründete Begrenzung des Investionsspektrums wissentlich und willentlich Nachbildungsfehler und Underperformance riskiert.

Im Kontext mit nachhaltigem Investieren entspringt diese falsche Annahme der gängigen Praxis, bestimmte Aktien auszuschließen, je nachdem, welche Produkte ein Unternehmen herstellt. Diese Vorgehensweise war zu Zeiten weit verbreitet, als Tabakwaren üblicher Weise aus Fonds ausgeschlossen wurden, wenn man sie nach damaligem Verständnis sozialverantwortlich zusammensetzen wollte.

Als dann Tabakaktien besser performten, als die Nachhaltigkeitsfonds, schloss man daraus, dass Letztere grundsätzlich schlechtere Renditen erwirtschafteten, als traditionelle Anlageprodukte.

Die Einordnung >> Diese Fehlannahme wirft 3 grundlegende Probleme auf:

  1. Die Definition des Nachbildungsfehlers besagt, dass die Performance von einem Referenz- oder Vergleichsindex abweicht, nicht, dass sie diesen per se unterschreitet. So hat die US-Vermögensverwaltung GMO bei einer Untersuchung herausgefunden, dass über einen Zeitraum von 38 Jahren von 10 nachhaltigen Portfolios nur 4 unterhalb der zu erwarteten Indexrendite lagen. Nun mag also der Ausschluss von Tabakaktien in den Neunzigern und frühen Zweitausenderjahren zu einer schlechteren Performance geführt oder zumindest beigetragen haben, in den letzten 10 Jahren hat er jedoch eher das Gegenteil bewirkt.
  2. Heutzutage liegt bei der Gestaltung von Nachhaltigkeitsfonds der Fokus nicht mehr vorrangig auf dem Ausschlussverfahren. In den meisten Fällen wird eher darauf wert gelegt, dass ESG-Kriterien in die Investmentprozesse integriert und Unternehmen mit besserer ESG-Performance bevorzugt werden.
  3. Es gibt mittlerweile jede Menge wissenschaftliche Untersuchungen, Case Studies und mehr, die die tatsächliche Performance von Nachhaltigkeitsfonds und -portfolios untersucht haben. Das Gros kommt zu dem Schluss, dass Renditeeinbußen nichts mit dem Grad der Nachhaltigkeit eines Investments zu tun haben. Im Gegenteil, eher weisen die Ergebnisse darauf hin, dass nachhaltige Geldanlagen besser abschneiden als traditionelle Fonds. Speziell, wenn man den Risiko-Aspekt noch zusätzlich in Betracht zieht.

Natürlich gibt es auch bei Nachhaltigkeitsinvestments unterschiede in Anlagestrategie und -stil, im Management, der Portfolio-Allokation, usw. Und auch die Fähigkeiten eines Investmentverwalters spielen am Ende eine Rolle dabei, wie gut oder schlecht ein Nachhaltigkeitsfonds abschneidet. Aber interessierten Investoren pauschal von nachhaltigen Investitionen abzuraten? Dafür gibt es wahrlich keinen Grund.

Die Fehlannahme: Nachhaltigkeitsfonds sind teuer

Ein weiterer Irrglaube, der unter Finanzberatern weit verbreitet ist, ist der, dass nachhaltige Investmentfonds teuer sein sollte. Diese Annahme ist seit ungefähr der Jahrhundertwende im Umlauf, als nachhaltige und sozial verträgliche Investmentfonds noch von vor allem kleinen Vermögensverwaltungen ausgegeben wurden, die höhere Gebühren verlangten.

Die Einordnung >> Ende 2017 untersuchte das Finanzinformations- und Analyseunternehmen Morningstar die durchschnittlichen Kosten aller in den USA erhältlichen, nicht zeitlich gebundenen Nachhaltigkeitsfonds und verglich sie mit denen ihrer traditionellen Pendants.

Das Ergebnis war, dass die Kosten für nachhaltige Fonds genauso gleichmäßig über das gesamte Kostenspektrum verteilt, wie herkömmliche Investmentfonds. Bei nachhaltigen ETFs konnte Morningstar sogar einem durchschnittlichen Kostenrückgang verzeichnen. Auch dieses Argument hält einer genaueren Überprüfung also nicht wirklich stand.

Die Fehlannahme: Die Fondsauswahl ist zu gering

Will man als Privatanleger ein nachhaltiges Portfolio aufbauen, sieht man sich bisweilen mit dem Argument konfrontiert, dass das Investmentprodukt-Spektrum nicht genug hergibt, um ein ausgewogenes Portfolio mit ausschließlich nachhaltigen Instrumenten zu gestalten.

Die Einordnung >> Bereits Ende März 2019 konnten deutsche Privatanlegerinnen und -anleger aus fast 800 unterschiedlichen, nachhaltigen Investmentfonds wählen. Mittlerweile sind viele weitere Nachhaltigkeitsprodukte am Kapitalmarkt hinzugekommen.

Das macht selbst unter konservativsten Gesichtspunkten und auch unter Berücksichtigung möglicher Greenwashing-Versuche oder der Begrenzung auf Produkte, die von Öko-Ranking-Unternehmen als besonders nachhaltig und sozial verträglich eingestuft werden, die Gestaltung eines diversifizierten Nachhaltigkeitsportfolios aus Aktien und Fonds problemlos möglich.

Fazit zum Thema Nachhaltigkeitsfonds

Nachhaltigkeitsfonds performen nicht schlechter, als traditionelle. Sie sind nicht teurer als diese und auch allgemein nicht „zu teuer“. Und es gibt eine große Auswahl an nachhaltigen Investmentprodukten, um daraus ein gut diversifiziertes Portfolio zu erstellen.

Wer die hier genannten Mythen als genau das entlarvt, was sie sind, nämlich Fehlannahmen, wird als Anleger guten Gewissens nachhaltige Investmentprodukte in sein Depot und Portfolio integrieren können. Und zwar ohne irgendwelche Abstriche bei der Rendite fürchten zu müssen. Zumindest nicht mehr und nicht weniger als bei klassischen Investmentfonds.

Prokurist und Leiter Portfoliomanagement, Wirtschaftsinformatiker (EBS), über 25 Jahre Erfahrung als Händler (Eurex-, Xetra- und NASD-Lizenz) und Portfolio- und Fondsmanager u.a. für Absolute-Return-Produkte bei Investmentboutiquen. Seit 2009 bei der FiNet Asset Management AG in Marburg als Fonds- und Portfoliomanager tätig.

Frank Huttel ist spezialisiert u.a. auf Produktentwicklung und der Fondsauswahl und hat fundiertes Know-how im klassischen sowie alternativen Asset-Management. Seit 2019 ist er SRI-Advisor (EBS) und Climate Reality Leader (2018). Außerdem ist er Mitinitiator von vividam, dem nachhaltigen Robo-Advisor.

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