EU Green Deal: Was wären deutsche Anleger bereit hierfür zu leisten?

Die Sustainable Finance Strategy beziehungsweise der EU Green Deal – es ist ein politischer Plan, der seit Jahren auf den verschiedensten Ebenen der europäischen als auch globalen Politik diskutiert wird: Wie richten wir die Gesellschaft in den nächsten Jahr hin zu mehr Nachhaltigkeit in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen aus? So entsprangen und entspringen bis dato diesen Diskussionen immer neue Maßnahmenpläne und Vorgaben, die die gefassten Beschlüsse in die Praxis umsetzen sollen.

Sei es das Pariser Klima-Abkommen und erst kürzlich eben auch jene Sustainable Finance Strategie der EU. Gerade letztgenannte Initiative involviert dabei einen Personenkreis, der einen erheblichen, wenn nicht gar entscheidenden Anteil an der erfolgreichen Umsetzung der Green Finance Strategie der EU hat und in Zukunft haben „soll“ – der private Anleger.

Sustainable Finance Strategie: Worum geht es da überhaupt?

Doch warum spielt der private Anleger eigentlich eine mitentscheidende Rolle? Hierzu reicht zur Beantwortung jener Frage eigentlich ein einziger Satz: Er kann entscheiden, wo sein Kapital letztendlich Verwendung findet und dass soll entsprechend der Zielsetzung der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie in entsprechenden Unternehmen beziehungsweise Wirtschaftsbereichen sein.

Und somit ein kurzer Exkurs zum Thema Sustainable Finance Strategie: Die Europäische Kommission hat verschiedene Maßnahmen beschlossen, um ihre Ambitionen im Bereich der nachhaltigen Finanzen zu erhöhen. So werden in der neuen Sustainable Finance Strategy mehrere Initiativen zur Bewältigung des Klimawandels und anderer ökologischer Herausforderungen vorgestellt, während gleichzeitig die Investitionen – und die Einbeziehung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) – in den Übergang der EU zu einer nachhaltigen Wirtschaft erhöht werden. Zudem hat die Kommission einen delegierten Rechtsakt über die Informationen angenommen, die von Finanz- und Nichtfinanzunternehmen über die Nachhaltigkeit ihrer Tätigkeiten offenzulegen sind, basierend auf Artikel 8 der EU-Taxonomie.

Bedeutet? Der Markt für nachhaltige Geldanlagen soll transparenter und somit die Attraktivität erheblich gesteigert werden. Mit der letztendlichen Zielsetzung der Wirtschaft finanzielle Mittel zukommen zu lassen, die den Weg zu mehr Nachhaltigkeit ebnen.

Kernfrage: Welchen Beitrag ist der deutsche Anleger bereit zu leisten?

Soweit der Plan, doch kommen wir zu einer entscheidenden Frage und zwar jener, was der deutsche Bundesbürger eigentlich bereit wäre an Kapital zu investieren, um letztendlich einen entscheidenden Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung der vorgenannten Strategie zu leisten?

Eine Frage, die Kern einer erst kürzlich durchgeführten Marktbefragung darstellte. So wurde berechnet, das ein Beitrag von 800 € als Anlagesumme je erwerbstätigem Bundesbürger eine Art Referenzwert darstellen, um einen messbaren Erfolg im Rahmen nachhaltiger Investments erreichen zu können.

In Bezug auf diese Referenzsumme wären demnach etwas mehr als 43 % aller Bundesbürger bereit, diese Summe in Produkte aus dem Bereich nachhaltiger Geldanlage-Angebote zu investieren. Spannend ist hierbei, dass knapp 55 % Familien mit Kindern eine entsprechende Bereitschaft grün zu investieren signalisieren.

Hier zeigt sich, dass gerade bei Eltern die Verantwortung den eigenen Kindern eine „gesunde“ Umwelt zu hinterlassen durchaus ausgeprägter ist.

2. Kernfrage: Was hält deutsche Anleger davon ab, nachhaltig zu investieren?

Doch bei all diesen, durchaus positiven Zahlen, muss auch die Frage dahingehend gestellt werden, was den Personenkreis, der die Bereitschaft die genannte Summe zu investieren, bis dato davon abhält? Und wer nun erwartet, dass hier Antworten auftauchen, die in die Richtung zielen, dass man diese Summe nicht aufbringen könne oder ähnlichem, liegt aufgrund der Erkenntnisse aus der Marktumfrage falsch.

So gaben

  • 29,7 Prozent der Befragten mangelndes Wissen
  • 21 Prozent der Befragten ein zu hohes Risiko
  • 17,7 Prozent der Befragten Intransparenz

als Gründe an, momentan nicht in nachhaltige Geldanlagen investieren zu wollen. Womit deutlich wird, dass das Thema Kapital-Verfügbarkeit überhaupt keinen Hinderungsgrund darstellt.

Was sich hier aber zeigt, ist im Grunde die Aufgabe für die Anbieter nachhaltiger Investment-Angebote – eine dringend notwendige und im Grunde geforderte Steigerung beim Thema „Transparenz“ (dem die neue Offenlegungsverordnung Rechnung tragen soll) sowie der generellen Aufgabe das Thema „Finanzielle Bildung“ in die praktische Umsetzung zu bringen. Wobei auch zu unterstreichen ist, dass die beiden vorgenannten Punkte in direktem Zusammenhang stehen.

Prokurist und Leiter Portfoliomanagement, Wirtschaftsinformatiker (EBS), über 25 Jahre Erfahrung als Händler (Eurex-, Xetra- und NASD-Lizenz) und Portfolio- und Fondsmanager u.a. für Absolute-Return-Produkte bei Investmentboutiquen. Seit 2009 bei der FiNet Asset Management AG in Marburg als Fonds- und Portfoliomanager tätig.

Frank Huttel ist spezialisiert u.a. auf Produktentwicklung und der Fondsauswahl und hat fundiertes Know-how im klassischen sowie alternativen Asset-Management. Seit 2019 ist er SRI-Advisor (EBS) und Climate Reality Leader (2018). Außerdem ist er Mitinitiator von vividam, dem nachhaltigen Robo-Advisor.

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